Blog als Business

Das Bloggen hat sich verändert. War der klassische Weblog früher noch ein öffentliches Tagebuch, in dem locker-flockig vom eigenen Alltag erzählt wurde, so sind Blogger heute Journalisten, Berichterstatter, Coaches und Marketing-Helfer. Wurden die mit Emoticons gespickten Posts über Wochenendgelage und Nachtgedanken seinerzeit noch zwischen Tür und Angel runtergeschrieben, kostet ein vernünftig recherchierter, ausformulierter und bebilderter Artikel heute etliche Stunden Zeit. Das unbekannte Hobby von damals ist heute zum Nebenjob geworden, den wir so professionell wie möglich ausführen. Und für den wir nicht selten finanziell entlohnt werden.

Ist das jetzt der Sinn und Zweck des Bloggens? Arbeiten und Geld verdienen? Ist das überhaupt noch ein Hobby?

Mehrwert

Ich habe den Vorzügen des Bloggens bereits einen ganzen Artikel gewidmet – und Geld spielte hier eine betont untergeordnete Rolle. Das Führen eines Blogs dient nicht einfach nur der Aufbesserung deines Kontostands. In erster Linie pusht es dich als Mensch. Du entwickelst dich weiter. Und: Deine Leser haben auch etwas davon.

Durch die zunehmende Professionalisierung des Bloggens entsteht für Internet-User eine neue Art Informationsquelle. Die Online-Tagebücher von damals mögen einen netten Zeitvertreib dargestellt und sicherlich den Aufbau der einen oder anderen Freundschaft ermöglicht haben. Doch all die Blogazine, die heutzutage regelrecht aus dem Boden schießen, bieten Betreiber und Besucher eine ganz andere Form von Mehrwert.

Die Leserseite

Wo liegt der Unterschied, ob du dir Informationen aus einem Ratgeber in der Bib besorgst oder sie auf einem Blog nachliest?

Die Beziehung ist eine andere. Blogleser folgen nicht nur den Inhalten, die gepostet werden. Sie folgen dem Blogger. Dem, der da schreibt. Sie bauen eine Bindung auf und nehmen den Schreiber als einen von ihnen wahr – nicht als gesichtslosen Info-Roboter. Sie schätzen die persönliche Note, die Erfahrungswerte, das Menschliche.

Das macht Blogs auch für Firmen so interessant. Wenn ein Blogger etwas empfiehlt, ist die Reaktion der Leser eine andere als wenn sie mit Werbeprospekten und Pop up-Fenstern bombardiert werden. Wenn Leser einen Bezug zu einem Blogger hergestellt haben und dieser eine Empfehlung für etwas ausspricht, dann nehmen sie das für voll. Sie gehen davon aus, dass der Mensch, der dort schreibt, ehrlich mit ihnen ist. Die Empfehlung eines Bloggers wirkt auf viele immer noch wie die eines guten Freundes.

Die Bloggerseite

Geld
»Und morgen habe ich 4.556 von euch!«

Okay, da ist es wieder: Das liebe Thema »Geld«. Ja, mit einem etablierten Blog schreiben dich Firmen mit Kooperationsanfragen an. Egal, ob du nun lediglich kostenlos ein Produkt zur Verfügung gestellt bekommst, um es zu testen, oder ob du konkret für einen Artikel bezahlt wirst: Dein Blog kann dir materielle Vorteile verschaffen.

Und ja, auch ich propagiere Blogs als potenzielles Online-Business. Weil ich dein Mindset in Richtung Business schubsen möchte. Damit meine ich aber nicht, dass du einen Blog starten und deine Leser mit Affilate-Links überschütten sollst. Blogbesucher sind nicht blöd: Die merken, wenn du ihnen was andrehen willst. Genauso gut könntest du deine Seite mit »Lorem ipsum«-Blindtexten ausstaffieren und jedes zweite Wort auf möglichst teure Produkte verweisen lassen, für deren Kauf du dann Provisionen einsacken würdest. Du wirst 0,0 Euro Gewinn machen. Zurecht.

Die Monetarisierung deines Blogs über Affilatemarketing läuft über Vertrauen. Das musst du zunächst aufbauen – und dann musst du immer wieder beweisen, dass du es auch weiterhin verdient hast.

Was ich am Bloggen viel mehr schätze als die Möglichkeit, Werbung zu platzieren, ist die Chance, Expertise aufzubauen. Gut in etwas zu werden. So gut, dass du Menschen damit zuverlässig helfen kannst. So gut, dass du dein Wissen und Können selbstbewusst vertreten und – sofern du das willst – auch verkaufen kannst.

Expertise… Was bringt mir das?

Es eröffnet dir neue Perspektiven. Ich komme aus der Persönlichkeitsentwicklung: Typische Schmerzpunkte hier sind mangelndes Selbstbewusstsein und ein bröckeliges bis nicht-existentes Selbstwertgefühl.

Wenn du dir etwas aufbaust, ganz gleich wie klein es sein mag, dann schaffst du deinen Fähigkeiten in gewisser Weise ein Denkmal. Etwas, das dich daran erinnert, dass du einen Platz in der Welt hast, etwas bewirken kannst und dass es einfach gottverdammt nochmal gut ist, dass du hier bist. Vertrau mir: Wenn du Menschen deine Zeit schenkst und versuchst, ihnen in irgendeiner Form auf die Sprünge zu helfen, dann werden sie dir das danken. Das ist nämlich überhaupt nicht selbstverständlich. Und der Großteil unserer Artgenossen weiß das.

Wenn du mich fragst: Jep, Bloggen hat durchaus ein bisschen was von Therapie. Weil viele von uns erst lernen müssen, dass sie etwas auf dem Kasten haben, womit sie die Welt einen Funken besser machen können. Und weil viele von uns erst lernen müssen, dass ihre Arbeit einen Lohn verdient. (Ich sage das durchaus auch im Hinblick auf die Arbeitswelt: Wenn du arbeitest, verdienst du eine Entlohnung. Wenn du dich unter Wert verkaufst, schadest du nicht nur dir selbst, sondern drückst auch die Löhne deiner Kollegen im selben Berufsfeld.)

Blog als zusätzlicher Job? Noch mehr Arbeit?

Das Großartige am Bloggen ist, dass der Themenwahl überhaupt keine Grenzen gesetzt sind. Du kannst über alles schreiben, was dir am Herzen liegt. Was du gut kannst, worüber du viel weißt, womit du viel Zeit verbringst. Menschen mit denselben Interessen schätzen deine Erfahrungen. Selbst, wenn es schon Blogs zu deinem Thema gibt: Egal. Da findet nämlich niemand deine Gedanken in deinen Worten. Tatsächlich ist es sogar positiv, wenn du Themenkollegen hast, weil du dich mit denen vernetzen kannst.

Das bedeutet im Kern: Das Bloggen ist dein Sprungbrett, um mit deiner Leidenschaft, deinem Hobby Geld zu verdienen.

Wie oft hast du den Satz »ich hab meine Leidenschaft zum Beruf gemacht« gehört und dir gedacht, »meh, verdammter Glückspilz, würde ich auch gerne«? Wenn du dich mit den Dingen beschäftigst, die du liebst – fühlt sich das überhaupt noch wie Arbeit an?

Axt
Ein bisschen leichter zu handhaben sind die Waffen des Bloggers ja schon – oder?

Ich bin aber kein Journalist!

Es ist Fakt, dass durch die Professionalisierung der Blogger-Gemeinschaft die Ansprüche der Leser steigen. Miese Rechtschreibung und verwackelte Handyfotos wurden früher eher toleriert als heute. Das bedeutet, man muss sein Handwerk zumindest halbwegs beherrschen, um Fuß zu fassen. Gerade dann, wenn man auf eine Monetarisierung aus ist. Das kann unter Umständen mühsam sein.

Dennoch bleibt es jedem selbst überlassen, wie sehr er am Ende tatsächlich auf Profi machen will. Ich denke, es geht durchaus klar, wenn ein Hobby zwischenzeitlich Mühe macht – würdest du ein Instrument lernen oder Theater spielen, so käme schließlich auch ein riesiger Haufen Arbeit auf dich zu. Womöglich riesiger noch als der, der für den Aufbau eines Blogs anfällt. Im Mittelpunkt steht, dass du Spaß an der Sache hast. Bei allem Hochglanz-Image, das wir Blogger bewusst oder unbewusst so gerne pflegen: Du kannst immer noch dein eigenes Ding machen. Du kannst immer noch abbiegen und neue Wege bestreiten. Und du und dein Blog dürft Fehler haben. Deine Leser erwarten keine Perfektion: Sie erwarten nur dich. Authentizität. Ehrlichkeit. Und dass du sie teilhaben lässt.

Bloggen: Job oder Hobby?

Schlussendlich hast du die Wahl.

Du kannst einen maximal professionellen Blog aufziehen, ihn voll durchmonetarisieren und dein Online-Projekt zum echten Business machen. Es geht. Es erfordert verdammt viel Arbeit – aber es geht. Die Sache ist nur, dass du bei einem reinen Business andere Erfolge erwartest als bei einem Spaß-Projekt, das du nebenher betreibst. Ein komplettes Einkommen, von dem du vernünftig leben kannst, allein über einen Blog zu bestreiten, ist nervenaufreibend – und ich kann dir nur ans Herz legen, dich dafür nicht rein auf Affilate-Marketing zu stützen, sondern zusätzlich eigene Produkte zum Verkauf anzubieten. Der Stress, den das wirklich professionelle Bloggen mit sich bringt, wird den potenziellen Hobby-Status sehr schnell überschatten.

Wenn du einen Brötchenjob hast, mit dem du zufrieden genug bist, dass du deinen Blog als netten Zeitvertreib betrachten kannst, hast du’s eigentlich ziemlich leicht. Du hast die Fäden in der Hand. Erfahrungsgemäß ist es so, dass du immer irgendwie noch ein bisschen mehr wollen wirst, sobald Geld im Spiel ist. Entscheidest du dich also für eine Monetarisierung, steigen die Ansprüche an dein Online-Projekt – und ja, zeitweise kann dein Blog so zum Stressfaktor werden. Sobald das der Fall ist, kannst du aber immer noch einen Gang zurückschalten. Bloggen muss nämlich kein Job sein. Wenn’s keinen Spaß mehr macht, läuft was schief. Und dann kannst du gegensteuern.

Die Perspektive für uns Blogger

Insgesamt ist es für uns Blogger ein echter Gewinn, dass wir aus dem Schatten des Online-Tagebuchs herausgetreten sind. Uns bieten sich völlig neue Möglichkeiten. Das, was wir an Zeit und Arbeit mehr investieren, bekommen wir auf vielfältige Weise zurück. Ob wir die neuen Chancen nutzen wollen, bleibt uns dabei selbst überlassen.

Aber wenn du mich fragst: Es wäre schon verdammt schade, wenn du sie einfach verstreichen lassen würdest!

2 Kommentare zu “Blog als Business: Ist Bloggen heute ein Job?”

  1. Ein sehr spannender Beitrag zu einem Thema über das ich mir in letzter Zeit oft Gedanken mache. Ich muss deine Worte erstmal sacken lassen und werde den Beitrag bestimmt noch öfter durchlesen 🙂 Man muss sich eben überlegen, ob man sein Hobby zum Beruf machen möchte. Denn wie du sagst, es ist ganz schön viel Arbeit, die sich in den meisten Fällen bezahlt macht, aber der Spaß Faktor bleibt mit Sicherheit erstmal auf der Strecke…

    Tausend Gedanken zu dem Thema, die ich erstmal sortieren muss. Aber danke für den Input erstmal 😉

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

    1. Hi Kay,
      vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂 Ich find’s extrem wichtig, dass man sich selbst beobachtet und darauf achtet, ob man wirklich noch mit Spaß dabei ist… Wenn nicht, dann sollte sich das irgendwie lohnen. Oder man muss umschwenken. Stress hat man ja schon genug im Leben!
      LG!
      Zoë

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