Bye-bye, deutsche Gerechtigkeit

Während Frauen in Schweden beim Geschlechtsverkehr nicht einmal mehr ein Nein artikulieren müssen, um ihren Sex-Partner später als zumindest »unachtsamen« Vergewaltiger verklagen zu dürfen, nehmen wir Deutschen es mit unseren Straftätern gemeinhin ziemlich gelassen. Man gewöhnt sich an alles, heißt es. Somit wohl auch an unsere chronische Unfähigkeit, das (eigentlich) geltende Recht durchzusetzen.

Vielleicht ist es da nur folgerichtig, der blinden Justitia Arme und Beine abzuhacken und die Rechtspflege ad acta zu legen. Wer braucht Waage und Richtschwert, wenn am Ende sowieso alle machen, was sie wollen?

Scheiß also auf Bestrafung. Lasst die Leute doch machen. Lasst sie morden, messern und krankenhausreif prügeln, lasst sie vergewaltigen und grabschen. Wir kommen doch eh nicht dagegen an. Wir verheddern uns in den Schlingen unserer pseudo-übermenschlichen politischen Korrektheit, relativieren, entschuldigen und schreien in Millionen Fällen »Einzelfall!«. Und kultivieren einen pathologischen Täterschutz, der Charles Darwin wimmernd in seinem Grab rotieren lässt.

Du siehst also gern zu, wie kleine Kinder gequält werden? Kindersex im Wert von 42.000 liebevoll angesammelten Dateien auf deiner Festplatte und ein Sorry an das Mädchen im Gerichtssaal, das seinerzeit deine Anweisungen entgegennehmen musste, während du vor der Cam gewichst hast – ist doch alles kein Thema. Zwei Jahre auf Bewährung plus ein bisschen Therapie. Ein Schlag ins Gesicht deiner Opfer. Aber hey. Läuft.

Richtig gepampert wirst du, wenn du minderjährig bist. Da kannst du dich locker mit vier Freunden zusammentun und gechillt und ohne Konsequenzen eine junge Frau im Grünen vergewaltigen. »Es geht darum, die Verdächtigen nicht zu stigmatisieren. Die müssen nicht in Handfesseln in der Schule vorgeführt werden.« Oh, die armen Babys. Gott bewahre, dass jemand sie schief anschauen könnte! Da lassen wir sie doch lieber direkt wieder auf die Allgemeinheit los.

Das Opfer? Ach. Das soll sich mal nicht anstellen. Das hat jetzt eben ein anderes Leben. Kein schlechteres. Nur ein anderes.

Hey, das sagen immerhin sogenannte Psychotherapeuten. Die müssen das doch einschätzen können, oder? Völlig unverständlich bleibt da nur, dass solch umsichtigen Fachmännern nach derartigen Aussagen nicht jede Zulassung entzogen wird Droh-Mails von rückständigen Bürgern zugesandt werden, die die Schönheit unseres neuen Wertsystems augenscheinlich noch nicht erkannt haben.

War’s vor 19 Jahren noch ein Grund für gutbürgerliche Empörung, wenn in einem deutschen Film Teenie-Jungs im Kreis auf einen Keks gewichst haben, so werden demnächst in unseren Schulen wahrscheinlich schulterzuckend Real-Footage-YouTube-Videos von Gruppenvergewaltigungen gezeigt. Geiler wird’s nur mit Live Stream und Popcorn. So ist das halt. Alles ist im Fluss. Deutschland entwickelt sich weiter.

Nur die Jagd auf deutsche (!) Steuersünder… Die behalten wir als guilty pleasure. Um der alten Zeiten Willen. Ein bisschen Nostalgie muss schließlich sein, hm?

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