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Ich könnte ewig so weiter machen.

Übergewicht ist eine ganz heiße Kiste – insbesondere heutzutage, wo Begriffe wie fat shaming und fat acceptance in aller Munde sind. »Abnehmen« ist und bleibt ein absoluter Klassiker auf menschlichen To Do-Listen. Aber: Zu sagen, »ich muss abnehmen«, ist easy. Dieses Ziel zu erreichen dagegen? Nicht ganz so einfach.

Und auch wenn ich mich damit voll in die Nesseln setze: Das Fundament dieser boomenden »dick ist geil«-Schiene wurde letztendlich von Menschen gegossen, die das mit dem Abnehmen ebenfalls nicht so super auf die Reihe bekommen haben.

(Ich zücke an dieser Stelle meinen imaginären Regenschirm, um mich vor fliegenden Tomaten zu schützen… Das heißt, nein, eigentlich nicht.)

Beim Thema Übergewicht kollidieren und verknoten sich so verdammt viele Aspekte, dass man sie unmöglich alle auf einmal greifen könnte. Es geht um Emotionen. Es geht um Ideale. Es geht um Respekt. Es geht um Gruppendynamik. Es geht auch um Geld.

Du Fat-Shamerin! – Warum ich es wage, fat acceptance zu kritisieren

Eins vorweg: Ich schreibe das alles als ehemals Betroffene. Ja, halleluja, ich war mal fett. Und ich wähle an dieser Stelle ganz bewusst das f-Wort, weil ich weiß, wie sehr es sticht. »Dick« ist auch schlimm, klingt aber nicht so bösartig wie »fett«. Deine Großmutter sagt mit leiser Fürsorge, »Kind, du bist aber dick geworden«. Die peers in der Schule hauen dir »boah Alter, bist du fett!« um die Ohren. (Das sind die Wunder der deutschen Sprache… Im englischen Sprachraum nutzt hierfür eigentlich niemand Wörter wie »thick«, da ist das ekelhafte »fat« der Standardbegriff. Deswegen hielt ich als deutscher Teen die Amis fälschlicherweise immer für ganz besonders gemein, was die Verurteilung von Übergewicht angeht.)

War ich zu Teenager-Zeiten leicht übergewichtig, so knallte mein BMI nach einer falschen Studienfachwahl dezent durch die (ironischerweise) bedenklich dünne Mauer zur Adipositas (Deutsch: Fettleibigkeit). Woran’s lag? Tja, Madame saß auf dem Arsch, lernte, aß, lernte (vermeintlich), aß, versagte, aß noch mehr. Mit Bewegung hatte ich es dank eines Sportunfalls in der Schule leider lange Jahre so gar nicht. Lief nicht so gut, ne?

Trotz meiner Abnahme habe ich heute keine Abneigung gegenüber dicken Menschen, wie es den Ex-Dicken gern unterstellt wird. Ich kompensiere meinen angeblichen Selbsthass nicht, indem ich Dicken einrede, sie hätten gefälligst abzunehmen. Ich sage niemandem, wie er sich zu ernähren oder zu bewegen – geschweige denn, wie er auszusehen hat.

Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie scheiße sich das Dicksein angefühlt hat. Wie es war, gefühlt immer die dickste zu sein, gefühlt immer schräg angeschaut zu werden, gefühlt immer als Versagerin dazustehen.

Warum »gefühlt«? Weil es nicht nur die bösen anderen sind, die ständig das Gewicht in den Vordergrund stellen. In ganz vielen Fällen macht das der Betroffene selber schon ganz gut. Wo andere durchaus Intelligenz, Eloquenz, Empathie, Humor und wasauchimmer bemerken, sieht man selbst sich eben schlicht als »die Fette«. Und legt diesen Gedanken dann auch anderen in die Hirnwindungen. Ein derart wackeliger Selbstwert ist oftmals ein absoluter Killer für zwischenmenschliche Beziehungen. Man fühlt sich konstant zu Unrecht verurteilt und angegriffen – und reagiert entsprechend.

Schwein
[Was dicke Menschen denken, wie sie gesehen werden.]

Und das zusätzlich zu all den Momenten, wo man tatsächlich von seinen Mitmenschen attackiert wird. Denn ja, das kommt natürlich auch vor. Egal, ob’s die Gangs von parfümierten Halbstarken in der Innenstadt oder die eingeschworenen Mädchencliquen in der Schule (oder später auf der Arbeit) sind, wer immer einen Spruch über dein Gewicht reißt: Es fühlt sich mies an. Klar.

»Dicksein« ist für uns gleichbedeutend mit einem Bataillon an negativen Eigenschaften. Dick steht gleichzeitig auch für dumm, faul, hässlich, eklig und wertlos. Zumindest denken das manche… Und Dicke denken gern, dass alle so denken. »Da lacht jemand! Er lacht, weil ich fett bin!«

Dein Gewicht ist nicht alles

Ohne jemandes Weltbild zerstören zu wollen, aber es gibt verdammt viele Menschen, die im Bezug auf die Optik ihrer Mitmenschen wirklich locker durch die Hose atmen. Ich sage nicht, dass nicht auch viele Flachzangen da draußen herumlaufen, die jemanden mobben, einfach weil er dick, schwarz und blond ist… Aber Menschen mit Übergewicht reagieren auf ihren wie auch immer gearteten Speck nicht selten sehr sensibel. Siehe die fat acceptance-Bewegung.

Das Problem ist, dass der Umgang mit (tatsächlichem) Übergewicht nicht mit dem Umgang der Gesellschaft mit anderen Hautfarben gleichgesetzt werden kann. So wird es aber dargestellt.

Gerade heutzutage bist du das absolute Oberarschloch, wenn du es wagst, Kritik an jemandem zu äußern, der ein anderes Herkunftsland hat als du. Dann bist du Rassist. Halbwegs intelligente Menschen kritisieren aber niemanden, weil er eine andere Herkunft hat. Halbwegs intelligente Menschen kritisieren das, was ihrer Ansicht nach falsch läuft – und wenn der Kritisierte nun gerade aus Afrika, der Türkei oder vom Mars ist, dann ist es eben so. (Halbwegs intelligente Menschen bezeichnen wegen derartiger Äußerungen auch niemanden als Rassist. Jemanden allein wegen seiner Herkunft nicht zu kritisieren, das wäre Rassismus.)

Wenn du nun Kritik an jemandem äußerst, der übergewichtig ist, dann bist du nach Ansicht vieler plötzlich ein Fat-Shamer. Auch hier gilt: Halbwegs intelligente Menschen kritisieren niemanden einfach mal so wegen Übergewicht. Es kann aber vorkommen, dass das Übergewicht angesprochen wird, weil es – anders als ein anderer Hautton – unschöne gesundheitliche Folgen haben kann.

Menschen können die coolsten Hautfarben haben und alle gleich gesund sein. Aber in puncto Gewicht können wir extrem ins Straucheln geraten, wenn wir uns zu weit von der biologisch angedachten Norm entfernen. Und ja, die existiert. Wir sind nicht irgendwann vom Baum gefallen, weil der Ast zufällig unter unserem Gewicht durchgebrochen ist. Wir mussten jagen und sammeln und weite Strecken zurücklegen. Ich kann mir beim besten Willen keine 120 Kilo schweren Neandertaler vorstellen, die hinter ihren Beutetieren herhechten. Dafür sieht unser Skelett doch auch wirklich verdächtig schmal aus, oder?

»Aber Menschen mit leichtem Übergewicht leben am längsten!!!«

So heißt es doch, oder nicht?! Von wegen, Übergewicht ist schlecht!

Ich glaube, die erwiesenen Kontra-Argumente kursieren längst millionenfach durchs Internet, sodass ich diese Platte an dieser Stelle nicht noch einmal auflegen muss. Ich belasse es bei dem Hinweis, dass Studien mit derartigen Ergebnissen wahrlich bescheiden im Hinblick auf Störvariablen überprüft wurden. Wenn du krank bist… Wie gut hältst du da dein Gewicht? Nicht, dass ich repräsentativ für die Gesamtbevölkerung wäre, aber ich bin in schwer kränkelndem Zustand gewöhnlich leichter als im gesunden. Ebenso beobachte ich bei (schwerstkranken) Patienten an meinem Arbeitsplatz doch eher deutliche Abnahmen während des Klinikaufenthaltes. Da kann es durchaus passieren, dass der adipöse Schlaganfallpatient durch die Schwere seiner Erkrankungen (man google mal »Dysphagie«) mehr und mehr abmagert, bis er schließlich normalgewichtig stirbt. Leider wird der Schlaganfall dennoch stark durch sein vorheriges Übergewicht begünstigt worden sein. Tja.

Nadja Herrmann hat sich in ihrem Buch »Fettlogik überwinden«* die Arbeit gemacht, diverse Studien zu den Folgen von Übergewicht zu analysieren und die Ergebnisse sachlich darzustellen. Leider, leider sprechen die Resultate nicht für Gesundheitsvorteile von Übergewicht. Auch wenn unter Anhängern der fat acceptance-Bewegung Voodoo-Puppen von Nadja bestimmt hoch gehandelt werden… Letztendlich stellt sie ja nur wissenschaftlich fundiert fest, was sich auch jedem mit gesundem Menschenverstand erschließt. Wer nach der zehnten Treppenstufe Schnappatmung bekommt, nach 300 Metern Fußweg unter Knieschmerzen leidet und sein Leben mit seinem stetigen Ohrensausen teilen darf… Wie gesund mag der sein? Und auch wenn heftigere Beeinträchtigungen bei vielen auf sich warten lassen – wie viele fangen sich ihren Kehlkopf- oder Lungenkrebs erst nach 30 Jahren Nikotin-Abusus ein? Ist Rauchen deswegen nicht mehr ungesund?

Albtraum Treppen
Woah… Ach, weißt du, eigentlich haben wir’s hier unten doch ganz nett.

Nope, sehr viele Menschen juckt es nicht, was du wiegst. Bloß, wenn da sehr hohe Zahlen auf deiner Waage prangen… Dann wird das schlichtweg immer wieder mal Thema werden. Spätestens im medizinischen Kontext. Das ist kein fatshaming. Würde sich ein riesiges Melanom über deinen Hals schlängeln, würde es auch angesprochen werden. Nicht, weil das Ding uncool ist und man dich mobben will – sondern, weil es dir irgendwann echt gefährlich wird. Das ist kein skinshaming.

Lang lebe das Fett!?

Die militanten Fett-Glorifizierer leugnen nun aber jedweden Zusammenhang von Krankheit und Übergewicht. Nicht, weil es dafür irgendwelche Beweise gäbe. Sondern, weil sie selbst irgendwann abnehmen wollten, glorios gescheitert sind und jetzt kategorisch alles doof finden, was mit Normalgewicht zu tun hat. Jetzt sind alle Diäten böse, Dünne sind böse, Dicke, die abnehmen wollen (und es oftmals dreisterweise auch noch schaffen!), sind absolut böse. Das ist das klassische »kann ich nicht haben, find ich kacke«. Kennt man noch aus dem Kindergarten.

Im Kern hat das einen Scheiß mit Stärke, Feminismus und gesundem Selbstbewusstsein zu tun. Selbstbewusst ist, wer zu sich steht. Auch dazu, dass er nun einmal gerade andere Prioritäten für sich setzt als Normalgewicht. Was logischerweise vollkommen legitim ist! Wenn du dich magst wie du bist, dich nicht in irgendeiner Form eingeschränkt fühlst und schlichtweg mal ganz andere Probleme als die Zahl auf der Waage hast – perfekt! Natürlich hast du das Recht, jedem den Finger zu zeigen, der dich trotzdem in eine Abnahme reinquatschen will.

Auch wenn du Einschränkungen hast, aber gottverdammtnochmal trotzdem nicht abnehmen möchtest, ist das dein gutes Recht. Es ist dein Körper. Dein Leben. Mir und sehr, sehr vielen anderen Menschen ist das herzlich egal, was du tust. Ich für meinen Teil mag’s, wenn Menschen einfach happy sind. Wie sie Glück für sich definieren, ist mir Jacke wie Hose… Hauptsache, sie gehen mit einem Lächeln durchs Leben.

Die Freundschaft hört für mich dann auf, wenn andere Personen negativ beeinflusst werden. Das ist dann der Fall, wenn du Leute, die nicht glücklich sind, aus ihren Plänen, ihr Leben zu ändern, rausquatschen möchtest. Wenn ein Dicker sagt, »ich will abnehmen«, dann sieht echte Akzeptanz so aus: »Ich finde nicht, dass du das musst, aber wenn du es möchtest, dann unterstütze ich dich dabei.« Falsche Akzeptanz dagegen kommt so daher: »Also, Übergewicht ist doch auch nur so eine Erfindung der Medien, du bist schon ganz schön doof, wenn du jetzt abnehmen willst, nur um auch so ein oberflächliches Magermodel zu werden. Da hat die Diätindustrie dir aber toll das Gehirn gewaschen, dann machen die jetzt ja auch ganz viel Kohle mit dir!« Oh. Merci beaucoup?!

Übergewicht ist genau das: über!

Keine Frage: Niemand ist automatisch der glücklichste Mensch auf diesem Planeten, nur weil er abnimmt. Ich wiederhole mich gern: Gewicht ist nicht alles. Gerade Übergewicht hat in sehr, sehr vielen Fällen seinen Ursprung irgendwo in der Psyche. Essen ist Belohnung. Essen tröstet. Mit Essen kann man oberflächlich verdammt viel kompensieren. Übergewicht ist oftmals auch einfach Symptom eines tieferliegendes Problems.

Schokolade
Das leckerste Antidepressivum der Welt.

Aber: Übergewicht macht halt alles (noch) schwerer.

Und damit meine ich nicht, dass andere mit dem Finger auf einen zeigen. Manche tun das, ja. Idioten gibt’s immer. Wenn’s nicht dein Gewicht ist, dann finden sie etwas anderes. Aber das Kernproblem sitzt diesbezüglich im eigenen Kopf. Nur weil einer lacht, lacht er nicht über dich. Das denkst du nur. Ich bin beispielsweise durch meine Kindheit mit persönlichkeitsgestörtem Vater so geprägt, dass ich mich ständig schuldig fühle. Wenn mein bester Freund mir sagt, »ich hab Kopfschmerzen«, dann liegt mir ein trauriges »tut mir leid, das ist wegen mir, oder?« auf der Zunge. Natürlich weiß ich rein rational, dass das Blödsinn ist. Heute kann ich darüber schon fast lachen. Aber unsere Psyche ist ziemlich gut darin, uns das Leben zu versauen. Es kostet Arbeit, sie zu erziehen.

Übergewicht ist Ballast. Völlig physiologische Bewegungen fallen uns schwerer als nötig. Alltägliche Tätigkeiten kosten mehr Kraft. Und die möglichen Spätfolgen? Die muss ich dir nicht aufzählen.

Wer nicht will, findet Gründe – oder: Ausreden

Der erste Teil dieses Sprichwortes – wer will, findet Wege – unterstellt quasi jedem, der nicht in x Tagen sein Normalgewicht erreicht, dass er nur den Arsch nicht hochbekommt. »Du willst es nur nicht genug!« Ich weiß, dass das nicht unbedingt stimmt. Abnehmen ist immer mit Anstrengung und Willenskraft verbunden. Du kannst mit den Fingern schnipsen so viel du willst. Wundermittel kaufen so viel du willst. Nützt nichts. Ich hab’s selber lange Jahre nicht auf die Kette bekommen. Ich wollte auch. Trotzdem bin ich mit beeindruckender Zielsicherheit immer wieder vom Weg abgekommen.

Aber dass der Frustrierte, der’s nicht schafft, sein Ziel zu erreichen, irgendwann in die Trotzphase abrutscht und unumstößliche Naturgesetze als Rechtfertigung entwickelt, das trifft den Nagel auf den Kopf. Und das ist schlecht.

»Das sind die Gene.« »Das ist mein Setpoint. Ich kann nicht weniger wiegen.« »Es liegt an der Schilddrüse.« »Ich muss Tabletten nehmen, die machen dick.« »Diäten funktionieren nicht, hinterher ist man noch dicker.« »Im Gegensatz zu anderen nehme ich schon zu, wenn ich den Kuchen nur angucke

(Huch – wieso kommt das Letzte mir so bekannt vor?!)

Man resigniert. Und versteckt sich hinter fadenscheinigen Ausreden, warum man seinem dicken Schicksal hilflos ausgeliefert ist. Dass so viele andere Menschen genau dasselbe Problem haben (und am besten gleich eine ganze Bewegung darauf aufbauen), macht das Nicht-Handeln gleich noch einfacher. So lässt es sich glatt noch leichter vom Weg abkommen (und deswegen finde ich derartige Gruppierungen auch so brandgefährlich)! Man ist das Opfer. Man kann doch nichts dafür. Und darauf hat der Rest der Welt gefälligst Rücksicht zu nehmen. Eigentlich ist man doch ein Held, dass man sein schweres Schicksal so erträgt?! Wo bleiben denn die Medaillen und Lobeshymnen?!

Dabei ist es im Kern so: Wenn du nicht abnimmst, dann hat das sage und schreibe einen Grund. Du nimmst zu viele Kalorien zu dir. Punkt.

Und das ist gut. Das bedeutet nämlich, dass jeder abnehmen kann. Jeder! Du hast die volle Kontrolle über deinen Körper!

Fat Acceptance-Extremismus

Die »ekligen Dünnen« haben zum Teil vielleicht einfach schon einen Haufen Arbeit investiert, ihre Ernährung umzustellen und mehr Bewegung in ihren Alltag zu integrieren. Die haben vielleicht einfach geschafft, was du noch nicht hinbekommen hast. Nehmen die dir was weg mit ihrem Dünnsein? Denkst du wirklich, jeder Dünne fühlt sich total geil, wenn er dich anschaut, weil er halt schlank ist und du nicht? Denkst du wirklich, die Welt dreht sich um dich und dein Gewicht?

Was mich an diesen fat acceptance-Extremisten so hochgradig abstößt, ist ganz sicher nicht ihre angebliche Mission, Menschen zu helfen, sich egal bei welchem Gewicht wohlzufühlen. Was mich abstößt, ist, dass derartige Floskeln nur vorgeschoben werden, um ein bisschen toleranter und trendiger und revolutionärer zu wirken. In Wahrheit betreiben die Kritiker des Fat-Shaming ja konsequent das, was man wohl Skinny-Shaming nennen könnte. Herzlichen Glückwunsch, das ist der falsche Weg!

Es ist ja so: »Health at every size« ist erwiesenermaßen Bullshit. Wer ein kleines bisschen ehrlich zu sich selbst ist, weiß (und spürt) das auch. Übergewicht als normal und am besten noch als erstrebenswert zu promoten, ist damit grob fahrlässig. Wer kein Problem mit seinem Gewicht hat, reduziert nicht sein gesamtes Leben auf dieses Thema. Der sucht nicht verzweifelt nach Aussagen, die womöglich dickenfeindlich sein könnten. Der hackt nicht auf denjenigen herum, die anders aussehen als er. Wer wirklich zu sich steht, hat das nicht nötig.

Tiger
»Hahaha! Der hat STREIFEN!« Sieh nicht weg. Stripe-shaming geht uns alle an!

Ein übergewichtiger Mensch ist nicht weniger wert als ein Normalgewichtiger, ebenso wenig wie ein Untergewichtiger weniger wert ist. Das ist Fakt. Ich kenne und verstehe die Emotionen, die in einem brodeln, wenn man sich als dicker Mensch bissige Kommentare und Beleidigungen wegen seines Gewichts einhandelt. Aber: Sorry, nicht nur Dicke werden beleidigt. Und: Niemand wird automatisch beleidigt, weil er dick ist. Ich kenne einen Haufen übergewichtiger Menschen, Männlein wie Weiblein, die einfach mal so felsenfest im Leben stehen, so sehr mit sich im Reinen sind und so geniale Persönlichkeiten haben, dass a) irgendwie nicht einmal die größten Vollidioten auf die Idee kommen, sich über ihr Gewicht lustig zu machen, und b) diese Menschen selbst dann, wenn a) nicht zutreffen würde, allerhöchstens lachen und zurecht den Mittelfinger heben würden – nicht aber auf die Idee kämen, eine Bewegung gegen »fatshaming« zu gründen.

Human acceptance + health at normal sizes

Das Streben nach Akzeptanz, Zugehörigkeit und Respekt fließt durch unsere Venen. Wir können das nicht ablegen. Aber man erlangt diese Gefühle ganz sicher nicht dadurch, dass man andere schlecht macht. Oder dafür sorgt, dass Menschen genau das Problem behalten, das einen, wenn man ganz ehrlich ist, doch selber quält – und das man mit Disziplin durchaus loswerden könnte.

Anstatt »fat acceptance« zu grölen, sollte man sich vielleicht lieber mal für stinknormale »human acceptance« einsetzen. Denn, hey, was ist menschlich? Kann man das so locker auf einen Nenner bringen? Es gibt uns doch in allen Größen, Formen und Farben – und obendrein mit Millionen verschiedenen Eigenschaften und Eigenarten. Solange einem niemand dumm kommt, kann man doch eigentlich ziemlich gechillt mit seinen Mitmenschen umgehen. Egal, wie sie aussehen.

Gechillte Katze
»Chillaxing at every size.«

Und wenn man wirklich mal entspannt durchs Leben geht… Dann ist Abnehmen auch gar nicht so wahnsinnig schwer. Das kann jeder. Ehrlich. (Weil’s so schön ist: Ich verweise nochmals auf das kleine Lexikon zur Fettlogik*. Es hilft!)

Nicht für andere. Nicht, um dummen Sprüchen zu entgehen. Nicht, weil das Leben dann perfekt wäre.

Sondern einfach, um gesund zu sein. Um länger selbstbestimmt und frei das tun zu können, worauf man Lust hat. Und um sich selbst alles zumindest ein bisschen leichter zu machen.


*: Bei so gekennzeichneten Links handelt es sich um Affilate-Links.

3 Kommentare zu “Fat Acceptance Kritik: Warum Fatshaming-Schreier mich abfucken”

  1. was für ein schwieriges thema. eines, zu dem ich vermutlich seitenlange kommentare schreiben könnte. i really see your point – ich finde es immer falsch, wenn man etwas/jemand anderen schlecht macht, nur um sich selber besser darzustellen. übergewicht ist halt ein im wahrsten sinne des wortes “schweres” thema. ich denke, es ist selten jemand wirklich übergewichtig, ohne dass ein problem dahintersteckt. und durch die gesellschaft wird das halt auch nicht verbessert. negative gefühle und essen, eine ganz heikle spirale. und das thema gewicht & körper ist einfach so immens irre aufgeladen. kennst du die serie dietland? die fand ich echt schräg, heftig und superspannend zu diesem thema.

    1. Die Serie kenn ich vom Namen her – steht schon länger auf meiner Watchlist, muss ich wohl mal angehen! Ich bin ja emotional bis heute immer voll bei jedem Menschen, der mit seinem Gewicht hadert (tu’s auch selbst noch oft genug, das sag ich ganz ehrlich!). Aber leider kompensieren wir Zweibeiner wahnsinnig gern über und dann bringt das solche Stilblüten hervor… Die dann leider auch wieder unschöne Auswirkungen haben können. :/

      1. das stimmt. alle extreme und alles was aus kompensation kommt ist üblicherweise ein schmarren. man müsste halt irgendwie die emotion aus dem thema rauskriegen, aber das ist vermutlich ein ding der unmöglichkeit…

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