Gegen Rechts Gegen Links

Ihr lieben Leute da draußen, ihr Gut- und Bösmenschen, ihr Linken und Rechten, ihr Antifanten und Neonazis – es tut mir unsagbar leid, dass ich so deutlich werden muss, aber: Wer hat euch eigentlich ins Hirn geschissen?

Versteh mich nicht falsch: Ich bin kein Fan von Polemik. Ich bin eigentlich auch nicht dafür, meine Mitmenschen zu beleidigen. Aber: Scheißegal, wie du tickst. Scheißegal, auf welcher Seite du stehst. Sei mal ganz ehrlich: Von irgendeiner der Bezeichnungen dort oben im ersten Abschnitt hast du dich doch so richtig auf den Schlips getreten gefühlt, oder? 

Was soll das heißen – Gutmensch? Das ist ein Unwort!

Was soll das heißen – Neonazi? Wird jetzt etwa wieder die Nazikeule ausgepackt?

Und wieso zum Teufel besitze ich die Dreistigkeit, zwei so unterschiedliche Typen von Menschen in ein und denselben Topf zu werfen? Die Guten und die Schlechten? Die Dummen und die Schlauen? Geht’s noch?! 

Ich entschuldige mich an dieser Stelle betont nicht für meinen Mangel an Charme und political correctness. Stattdessen fange ich jetzt noch einmal von vorn an – für all die, die noch nicht auf dem Schirm haben, was ich mit diesen Worten bezwecken will. 

Politik und Flüchtlinge: »Ein ganz heißes Eisen«

Kennst die Szene in Loriots »Ödipussi« über die Integration des Karnevalsgedanken in die Umwelt in die Frau (oder so ähnlich)? 

Ein ganz heißes Eisen. Ein ganz heißes Eisen. 

Weißt du, die Integration der Umwelt in die Frau ist eigentlich ein gutes Thema. Das findet in letzter Zeit ja wieder häufiger statt. Das ist quasi topaktuell. 

Manchmal ist es heute sogar so, dass die Umwelt achtfach in die Frau integriert wird. Über Stunden.

Tatsächlich wird mir beim Schreiben dieser (betont durch und durch geschmacklosen und widerwärtigen) Worte speiübel. Das liegt daran, dass ich ein verweichlichter Gutmensch bin, der bei der Vorstellung von Gruppenvergewaltigungen allzu schnell in Fassungslosigkeit und Entsetzen abrutscht. 

Weißt du, wie sich das Schreiben dieser Worte anfühlt? Weißt du, wie ich mich dagegen sperre, das Wort »Gruppenvergewaltigungen« fett zu schreiben (wie ich das mit Schlüsselworten zugunsten der Lesbarkeit meiner Artikel gemeinhin tue)? Weißt du, wie das ist, für jemanden, der tagtäglich nur schreibt und schreibt und schreibt, hier zu sitzen und keine gottverdammten Worte zu finden, um auszudrücken, wie weh mir das tut, dass irgendwo das Opfer einer solchen Tat sitzt und einfach so mit seinem Leben weitermachen soll, einfach so, als wäre nie etwas geschehen?

Weißt du, dass ich mich wie das größte Arschloch auf diesem Planeten fühle, hier quasi über sie zu schreiben?

Das ist ziemlich natürlich. Für ein soziales und potenziell mitfühlendes Wesen wie den Menschen ist das eine völlig normale Denk- und Fühlweise. 

Die Sache ist nur die: Ihr lieben Leute da draußen, ihr habt ja kein Problem damit, solche Verbrechen mit einer wegwerfenden Handbewegung ad acta zu legen. 

Gegen Rechts oder gegen Links? Das Märchen von der Meinungsfreiheit

Ja, jetzt schaut ihr empört. Ist klar.

Tatsächlich ist es vollkommen gleichgültig, wie genau ich diesen Artikel aufziehe: Politik ist niemals ein gutes Thema. Politik ist böse. Wer den großen Fehler macht, sich über Weltgeschehen und Politik zu informieren, wird mit einer schlimmen Krankheit infiziert: Sie nennt sich »Meinung«. 

Meinung. Ist. Nicht. Gut. 

Meinung bedeutet, dass du fortan Gefahr läufst, dich mit jedem deiner Artgenossen in die Wolle zu kriegen. 

Warum? Weil Meinung nicht heilbar ist. Meinung ist in Stein gemeißelt, immun gegen Antibiotika und Argumentation. 

Das war nicht immer so. Aber heute sind wir Menschen so unendlich stumpf geworden, so unendlich dumm und träge, dass wir nicht mehr in der Lage sind, die Perspektive eines anderen zu übernehmen. Wir denken nur noch in Extremen. Schwarz oder weiß. Braun oder grün. Rechts oder links.  

Entweder, du bist meiner Meinung, hast genau dieselbe Krankheit wie ich, oder ich haue dir mein iPhone XR auf den Kopf!

Bienenfresser
Auch eine Form von Maulsperre…

Wir können nicht diskutieren, wir können nicht argumentieren, wir können nicht nachempfinden oder akzeptieren oder Kompromisse finden. Wir können nur demonstrieren und gegendemonstrieren und uns am Ende gegenseitig die Schädel einschlagen.

Ganz großes Tennis, Leute.

Die Perversion der Extreme: Wie Politik uns zu Aliens macht

Übelkeit und Bluthochdruck und Wut und […] hin oder her: Wir springen zurück zu jener Gräueltat, über die ich eigentlich nie schreiben wollte.

Die Tatsache, dass ich es doch tue, macht mich einer Sache schuldig, die heute mit allergrößter Begeisterung verurteilt wird: Instrumentalisierung. 

Ich instrumentalisiere dieses Verbrechen, um einen Standpunkt zu vermitteln. 

Hört sich widerlich an, oder? 

Die Sache ist die: Ich bin nicht allein schuldig. Nope. Wir alle tun das. Ständig.

Hast du die Nachrichten um besagte Gruppenvergewaltigung in Freiburg verfolgt? Leider ist es so, dass sieben der acht festgenommenen Tatverdächtigen syrischer Abstammung sind. 

Das ist nun wirklich ärgerlich. Wären nämlich acht von acht Tätern deutsch gewesen, dann hätte das Opfer aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mindestmaß an Respekt erfahren. An ehrlich empfundenem Mitgefühl. 

So kam es, wie es kommen musste: 

Es ging ein Aufschrei durch die Reihen der bösen Rechten. Schon wieder Asylanten! 

Es ging ein Aufschrei durch die Reihen der bösen Linken. Bloß nicht generalisieren!

Das Opfer? Ach, stimmt, da war ja was… Nun ja. Irrelevant. Denn, ganz ehrlich: Heutzutage wundert sich doch keiner mehr über Vergewaltigungen. 

Heutzutage geht es doch nur noch um eins: Flüchtlinge. Sind die nun alle gut oder alle schlecht?!

Kommt es ärgerlicherweise wieder einmal zu einem Verbrechen, das von Asylanten begangen wurde, kriegen Rechte und Linke gleichermaßen Puls. Die einen instrumentalisieren das Verbrechen für ihre »Muselmänner sind böse«-Argumentation. Die anderen instrumentalisieren das Verbrechen für ihre »Rechte sind böse«-Argumentation. (Natürlich behaupten sie, dass nur die Rechten instrumentalisieren würden – das wiederum ist bei all der Herumreiterei auf dem Holocaust allerdings ein kleines bisschen blödsinnig.) 

Beide vergessen dabei, dass sie ja irgendwie alle mal Menschen waren. Dass sie irgendwie alle mal menschlich waren. 

Die (erfolglose) Suche nach der gesunden politischen Mitte

Ich sag’s mal so, dass es jeder versteht:

Kein normaler Mensch möchte alle Artgenossen mit dunklerem Teint als Opa Heinrich (dessen Haut seit 9 Jahren keine direkte Sonneneinstrahlung mehr erleben durfte) in die nächstbeste Gaskammer führen. 

Kein normaler Mensch hält (Gruppen-)Vergewaltigungen für okay. 

Ist das echt so schwer? Ist das echt so unmöglich, sich in diesen zwei Punkten einig zu sein?

Ist es echt zu viel verlangt, mal einen Schritt zurückzutreten, die Lage zu analysieren und ganz simple Fakten zu sammeln?

Ist es so ein Unding, sich auf sachliche Art und Weise auszutauschen, Probleme zu identifizieren und gemeinsam Lösungen zu suchen?

Liebe Neonazis: Ahmed von gegenüber plant aller Wahrscheinlichkeit nach aktuell keine Gruppenvergewaltigung. Keinen Mord. Keinen Diebstahl. Packt den Schlagstock weg.

Liebe Antifanten: Wenn ein Mensch im Mittelmeer ertrinkt gibt’s Trauermärsche und Kerzenarmeen. Wenn eine Frau vor eurer Haustür vergewaltigt wird, soll sie sich zusammenreißen, damit niemand was gegen Flüchtlinge sagt. Geht’s noch?

Ihr chronischen Extremisten habt euer Gehirn doch auch an der Garderobe abgegeben, oder?

Das heißeste Eisen von allen: Rassismus

Ich greife in diesem Artikel ganz bewusst beide Richtungen an. Blogger haben sich heutzutage nur gegen hirnloses Rechts zu wehren, hirnloses Links gilt gemeinhin als trendy. Dass Linksextremismus ein erklärter Feind unserer Demokratie ist, wird dabei dezent außer Acht gelassen. Böse sind nur die Rechtsextremisten, die meinen, bestimmte Gruppierungen ihrer Menschenrechte berauben zu müssen. 

Das Lustige (leider lache ich nicht) ist: Extremismus ist in beide Seiten brandgefährlicher Blödsinn. 

Eigentlich sollte sich doch jeder einig sein, dass Rassismus (das Verurteilen von Menschen rein auf Basis von ein paar optischen Merkmalen) völlig hirnrissig ist. Ich muss hier doch nicht bei Bienen und Blumen beginnen, oder?

Schaf
…Oder doch?

Ich kenne niemanden, und ich betone: niemanden, der beim Anblick eines womöglichen »Ausländers« gleich mal »oh, Gott bewahre, da kommt der Teufel!« schreit und mit Besen und Mistgabel auf ihn losgeht. (Und dann war Opa Heinrich nur mal im Solarium. Aber sah halt ganz schön dunkel aus, der Typ!) 

Heute herrscht medial und online allerdings die Ansicht, dass die Mehrheit der Deutschen sich morgens schon mit Hitlergruß auf der Straße begrüßt und tagsüber in regelmäßigen Abständen auf der braunen Suppe ausrutscht, die ihr Körper absondert. Heute sind wir alle Rassisten, sobald wir Deutsche sind. Beide Begriffe können synonym miteinander verwendet werden. 

Wie kommt das?

Weil Verbrechen, die von Asylanten verübt werden, (zurecht) Empörung auslösen. 

(Verbrechen, die von Deutschen verübt werden, rufen übrigens auch (zurecht) Empörung hervor. Das interessiert aber keinen.) 

Und weil die deutsche Politik auf so allumfassende und peinliche Art und Weise versagt hat, dass denkende Menschen die Hände über den Köpfen zusammenschlagen und Zukunftsangst schieben. Weil der Lebensentwurf, den sie vor fünf Jahren noch hatten, auf den sie so lange hingearbeitet und mit dem sie fest gerechnet haben, plötzlich ins Wanken kommt. 

Ihr arroganten jungen Hüpfer, die ihr noch auf Mamas und Papas Kosten eure Beautyboxen und iPhones und Michael Kors-Taschen bestellt: Ihr seid nie in den Schuhen der Menschen gelaufen, die sich nach 30, 40 Jahren kontinuierlichen Arbeitens und Steuerzahlens und Alterns und Müdewerdens plötzlich die Frage stellen, wo das Geld für ihre Rente herkommen soll. Dass diese Menschen in den vergangenen Jahren Sorgen entwickelt haben, die zuvor nicht da waren, ist schlichtweg natürlich. Ich weiß sehr genau, wie sich »kein Geld« anfühlt. Ich weiß sehr genau, wie sich die Panik anfühlt, die »kein Geld« in einem auslöst. Multiplizier das mit 1.000, wenn du alt und krank und wehrlos bist. Euer blindwütiges Verurteilen dieser »bösen Deutschen« zeugt in keinster Weise von moralischer Überlegenheit. Ganz im Gegenteil. Dieses unreflektierte Verhalten ist es, das euch in den Augen der anderen degradiert. 

Die für diese Ängste verantwortliche Politik wurde aber nicht von Asylanten gemacht. Sondern von Deutschen. Denkende Menschen wissen das. 

Zum Mitschreiben: Keiner in meinem Umfeld grüßt sich mit Hitlergruß. Alle reagieren bestürzt auf Verbrechen, egal, wer sie verübt hat. Und keiner ist überzeugt von dem, was die sogenannten »Politiker« in Berlin tagtäglich abziehen.

Und trotzdem sagen sie alle: »Ich bin eigentlich kein Nazi, aber alle Welt sagt mir, ich wäre einer.« 

Nicht, weil sie fremde Menschen auf Basis ihrer Hautfarbe verurteilen. Das wäre Rassismus. Sondern, weil sie es wagen, ihre eigenen Beobachtungen und Empfindungen zu artikulieren. Das ist menschlich. 

Gute Flüchtlinge, schlechte Flüchtlinge

Ich kenne somit komischerweise keinen Neonazi (obwohl die doch so allgegenwärtig sein sollen). Ich kenne aber sehr viele Menschen, die zurecht feststellen, dass in ihrem Wohnort die Kriminalität seit der Flüchtlingskrise explodiert ist. 

In Anbetracht der Zustände, aus denen diese Menschen zu uns kommen, ist das auch nicht verwunderlich. Dieser Mangel an Fähigkeiten, die Welt aus den Augen eines anderen zu sehen, bezieht sich ja nicht nur auf Deutsche. Der bezieht sich auch auf die Flüchtlinge. Auf die, die in ein völlig fremdes System, in eine völlig fremde Gesellschaft einreisen, angelockt von verzerrten Versprechungen, die nur teilweise wahrgemacht werden, und die schlussendlich mit allem allein gelassen werden – arbeitslos und verständnislos in ihrer kleinen Parallelgesellschaft, die mit dem ach so großartigen und allseits propagierten German Dream dann doch nur wenig gemein hat.  

Natürlich resultieren solche Missstände in verstärkter Kriminalität. Mehr Menschen. Mehr Menschen mit Frust und Perspektivlosigkeit. Junge Männer, vor allem. Junge Männer aus einer Macho-Kultur, um genau zu sein. 

Das sind Fakten. Das hat nichts damit zu tun, dass Nicht-Deutsche generell böse Menschen sind. Nicht jeder Flüchtling wird kriminell. Das ist Quatsch! 

Trotzdem ist es jedermanns Recht, simple Tatsachen wiederzugeben und auf Missstände hinzuweisen.

Das alles, was heutzutage schief geht, ist schlichtweg ein verdammt klares Zeichen an die Politik, dass ein enormer Handlungsbedarf besteht, um das Leben für alle Beteiligten wieder sicher und lebenswert und mit Perspektive zu gestalten.

Ein Aufschrei als Reaktion auf eine Gruppenvergewaltigung ist nicht nur okay, sondern die einzig menschliche Reaktion – unabhängig davon, wer die Täter waren!

»Die armen Flüchtlinge!«

»Ach ja? Es wird doch auch nicht über alle Vergewaltigungen berichtet, die von Deutschen verübt wurden! Alle hacken nur auf den Flüchtlingen herum!« 

Fun Fact: Lokal wird sehr wohl berichtet. Nein, eine Vergewaltigung aus dem persönlichen Umfeld des Opfers (der traurige Klassiker) hier in Ostwestfalen-Lippe schafft es möglicherweise nicht in die Berliner Morgenzeitung. Aber bei polizeilicher Erfassung wird in den Lokalnachrichten davon berichtet. Das hat mit Respekt zu tun. Mit dem Schaffen von Bewusstsein. Das dient auch dazu, Menschen daran zu erinnern, die Augen offen zu halten und auf ihre Mitmenschen Acht zu geben. 

Fun Fact Nummer Zwei: Sprich mal mit Polizisten. So richtig. Nicht mit einem, mit vielen. Diverse Verbrechen von Menschen mit Migrationshintergrund (spezifiziere: »Flüchtlinge«, nicht die »Ausländer«, die seit zwanzig Jahren in diesem Land leben und arbeiten) werden medial nicht kommuniziert, aus Panik, dass alle dann wieder ganz rassistisch und rechts werden. 

Für mich ist das auch irgendwie Rassismus. 

Ein Deutscher hat ein Verbrechen begangen! Böser Deutscher! Druckt sein Foto! Kreiert Hashtags! Beschmeißt seine Familie mit faulen Eiern!

Ein Asylant hat ein Verbrechen begangen… Oh, das drucken wir jetzt lieber nicht. 

Ich sage das nicht, weil ich will, dass Asylanten mit faulen Eiern beworfen werden. Ich sage das, weil diese selektive Verbreitung von Informationen den Medien nicht zusteht. Das ist Manipulation. Und die sorgt für ganz gewaltigen Unmut. Und Misstrauen. Was wiederum dazu führt, dass die Zahlen und die Schwere jener Verbrechen, die unter den Teppich gekehrt werden, womöglich sogar höher und schlimmer geschätzt werden als sie es tatsächlich sind. Daran schon mal gedacht?

Druck und Gegendruck

Dieser gedankenlose Druck »gegen rechts«, der so konsequent veranstaltet wird, diese Verallgemeinerungen und dieses Verurteilen jedweder Aussage, in die nun leider Gottes ein Nicht-Deutscher involviert sein könnte, entbehrt jeder Vernunft. Diese Geilheit auf Extreme (»Du hast Flüchtling gesagt! Du bist rechtsradikal! Du musst aber links sein!«) wird uns früher oder später das Genick brechen. 

Auf der einen Seite wird nämlich massiver Gegendruck erzeugt. Erzähl den Leuten wieder und wieder, sie wären böse Nazis, und irgendwann hast du sie so weit, dass sie sagen: »Fick dich. Dann ist es so!« 

Die Konsequenz? Sie stumpfen ab. Wenn jede Form von Tatsachen- und Meinungsäußerung gleich rechtsradikal sein soll, bitte sehr. Das ist großartig für die richtigen Rechtsradikalen, weil die so leichtes Spiel bekommen. Die tüten sich gleich noch eine Wagenladung frustrierter neuer Anhänger ein, die vor lauter Wut auch schon der Übergeneralisierung auf den Leim gehen und alles Muslimische für bösartig halten. Gut gemacht! 

Auf der anderen Seite spielt ihr mit eurem Gehabe dem anderen Extrem in die Karten. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich bin durchaus ein Fan der Demokratie. Linksradikale halten von Demokratie leider gar nichts – die zielen auf Anarchie ab. Ist das euer Ziel? Ernsthaft? Ich glaube, ihr habt in Wahrheit verdammt wenig Plan davon, wie eine anarchistische Gesellschaft aussehen würde!

Memo: Erwachsene Menschen können differenzieren!

Als Joggerin in der enorm »glücklichen« Lage, schon einmal von einer Traube Dunkelhäutiger eingekreist und angemacht worden zu sein, sage ich ganz ehrlich: Ja, ich werde massiv misstrauisch, wenn mehrere Männer mit bestimmten optischen Merkmalen mich fixieren und gesammelt auf mich zu kommen. Nenn mich Nazi. Ist mir scheißegal, solange ich unangetastet von meiner Laufrunde nach Hause komme. 

Tatsächlich wurden nach Kollegen und mir auch schon mehrfach Fäuste, Gurkengläser und sonstige Gegenstände geworfen – immer von Männern bestimmter Herkunftsländer. Ich hatte natürlich auch schon nette Kandidaten in Therapie – eine gewisse gesunde Vorsicht steht mir dennoch absolut zu. Es wäre schlichtweg unnatürlich, würde ich die nach diversen Erlebnissen nicht an den Tag legen. 

Trotzdem: Mensch ist erst mal Mensch. Ich verurteile nach wie vor niemanden allein deswegen, weil er nicht so hellhäutig ist wie ich (in der Abizeitung wurde meine Hautfarbe mit »Elfenteint« bezeichnet – dunkler zu sein als ich ist also verdammt easy). 

Sehr wohl verurteile ich Menschen, die anderen in irgendeiner Form Schaden zufügen. Da unterscheide ich aber nicht nach Hautfarben. Und es wäre Propaganda, zu behaupten, dass ich damit eine Ausnahme bilden würde.

Ein deutscher Vergewaltiger verdient dasselbe Höchstmaß an Strafe wie ein syrischer. Nur weil ein Täter Syrer ist, muss man sein Handeln aber nicht herunterspielen. 

Ein deutsches Opfer verdient dasselbe Mitgefühl wie ein syrisches. Das Kranke an unserer heutigen Gesellschaft ist aber, dass bei einem Rollentausch – acht deutsche Männer vergewaltigen ein syrisches Mädchen – das Opfer viel mehr mediale Aufmerksamkeit bekäme als in unserem (leider Gottes) realen Fall. 

Links ist trendiger als rechts – deswegen aber noch lange nicht richtiger. Ein Extrem kann nie gesund sein, völlig egal, in welche Richtung wir uns bewegen. Dass ein Verbrechen an einem Menschen anderer Herkunft sich viel schicker instrumentalisieren lässt als eines, bei dem die Täter Asylanten sind, ist traurig. Dass überhaupt dieses Denken existiert, dieses Abwägen, wer nun gerade der »Ausländer« ist, wer nun gerade beschützt werden muss – das ist ein Armutszeugnis. Eines, das eine gescheiterte Politik zu verschulden hat – schlicht und ergreifend. Schutz verdient immer nur das Opfer. Egal, wo es herkommt.

Nur ein Mensch, der die Mitte gefunden hat, kann unsere Demokratie schützen. 

Und jetzt nehmt euch mal ein bisschen Zeit und gedenkt all der Opfer von Gewaltverbrechen, von Missbrauch, von körperlicher und emotionaler Folter. Scheißt auf Hautfarbe, Religion und Muttersprache von Opfer und Täter. Scheißt drauf, für welche Argumentationen ihr das, was passiert ist, benutzen könnt.

Es geht nämlich nicht immer nur um eure politischen Vorstellungen. Es geht nicht immer nur darum, das Leiden anderer als Argument für die eigene Meinung zu missbrauchen. Es geht darum, dass wir Menschen sind. Dass wir uns, unsere Leben und unsere Rechte beschützen, aufeinander aufpassen und füreinander einstehen müssen. 

Ameisen
Selbst Ameisen arbeiten besser zusammen als wir. High Five, Menschheit!

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