Warum bloggen?

Blogs gibt es heute wie Sand am Meer. Da sind die Fashionblogger. Die Kosmetik-Junkies. Die Food-Blogger. Produkttester, die über alles schreiben, was ihnen vor die Flinte kommt. Da sind die Lifestyle-Journalisten, die die schönen Dinge des Lebens aufs Korn nehmen. Reise-Blogger. Die Persönlichkeitsentwicklungs-Schreiberlinge. Da sind Technik-Magazine. Blogger, die über’s Bloggen schreiben. Und da sind die ganz klassischen Weblogs: Menschen, die ihr Plätzchen im www als Online-Tagebuch nutzen und die Welt an ihrem Alltag teilhaben lassen.

Es gibt diverse Anbieter, bei denen du mit wenigen Klicks deinen Account starten und ohne einen Cent zu zahlen mit dem Bloggen loslegen kannst. Heutzutage sind die bekanntesten Vertreter blogger.com und wordpress.com. Anders als bei einer selbst gehosteten WordPress-Installation hast du dort nicht alle Fäden in der eigenen Hand – aber du kriegst ein voll funktionales Blogsystem für lau, mit dem du dich austoben kannst. Du musst dich dafür kein Stück mit Technik auskennen. HTML, CSS, PHP – mit Coding kommst du nicht in Kontakt. Dein Job ist es hierbei nur, dein virtuelles Baby mit Inhalt zu füllen.

Bloggen ist also einfach wie nie. Und du kannst dich inhaltlich völlig frei entfalten. Schlussendlich hat es nämlich alles schon einmal gegeben – und für alles findet sich eine Zielgruppe, die dich lesen wollen wird.

Die große Frage, die sich für (noch) Nicht-Blogger stellt, bleibt: Warum zur Hölle bloggen eigentlich alle?! Was bringt denen das?

Das Leben und das Schreiben: Wozu bloggen?

Publish
Der Button des Todes für den Neu-Blogger.

»Warum bloggen Menschen« ist eine Frage, die zum Teil noch stark an »warum schreiben Menschen« anknüpft. Und dazu kann ich nur sagen: Wer nicht schreibt, wird den Reiz vermutlich niemals nachvollziehen können. (Was bedeutet: Er sollte es ausprobieren. Ehrlich!)

Ich für meinen Teil bin 2005 über das Schreiben an meinen ersten »richtigen« Blog gekommen. Thematisch könnte man dieses Konstrukt am ehesten als Tagebuch betiteln – es ging aber weniger um mich und mein semi-aufregendes Leben als darum, die Worte fließen zu lassen. Meine 69Nightmares, powered by cutenews, haben mir jedoch wider Erwarten einige Türen geöffnet: Erstens waren da plötzlich neue Menschen in meinem Leben, die ich ohne den Blog nie kennengelernt hätte. Neue, tolle Menschen, die mir völlig neue Impulse gaben und mich dazu gebracht haben, mich weiterzuentwickeln. Und zweitens wurde das Schreiben für mich mehr und mehr vom Monolog zum Dialog. Früher schrieb ich, um meine Gedanken zu sortieren. Im Verlauf schrieb ich, um Menschen zu erreichen. Um zu kommunizieren.

Bloggen für den Leser

Heute betreibe ich einen Blog mit festem Thema, auf dem es vor allem um eins geht: Menschen zu informieren und ihnen mit eben diesem Thema zu helfen. Dieser Blog existiert nicht mehr bloß für mich. Es geht mir um den Leser. Wenn der nicht an mich herantritt, wenn der keine Fragen mehr stellt, dann schreibe ich ins Leere. Dann verfehle ich den Sinn und Zweck meiner Arbeit.

Heute steht der Aspekt der Kommunikation und des »Mehrwerts« gemeinhin viel mehr im Fokus. Wer heutzutage einen Blog startet, hat nicht selten den Traum von Ruhm (warum stand da gerade Rum?) und Ehre im Hinterkopf – weil er sich wünscht, gelesen zu werden. Er startet mit der Vision von Millionen Klicks und Kommentaren und Kooperationen mit großen Firmen. Das ist ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite ist dieser Frischling so extrem motiviert, guten Content zu liefern. Artikel zu schreiben, die seine Mitmenschen in irgendeiner Form weiterbringen. »Wenn du es baust, werden sie kommen.«* Auf der anderen Seite kann das Bloggen aber eine ziemlich launische Lady sein, die man sehr, sehr lange umwerben muss, bis man zum Zug kommt… Und nicht jeder hat so viel Geduld. Das ist schade – trennt aber in gewisser Weise auch die Spreu vom Weizen. Denn ein Blogger, der für seine Arbeit wirklich brennt, ist für einen Leser der größte Gewinn.

Und für den Blogger?

Tatsächlich hat das Brennen für den eigenen Blog auch für den Blogger positive Konsequenzen. Ich rede hier nicht von Ruhm, Rum und Ehre: Ich rede von Weiterentwicklung. Neuem Mindset. Einem tieferen Bewusstsein für das eigene Selbst, das eigene Verhalten und dafür, was im Leben wirklich zählt. Hört sich total abgehoben an? Okay. Ich erklär’s dir.

7 Gründe, warum ein Blog eine verdammt gute Idee ist

1. Du wirst disziplinierter.

Das Bloggen ist ein Marathon, kein Sprint. Als ich 2016 meinen Themenblog startete, war das ein Schuss ins Blaue, weil ich sehr unsicher war, ob irgendjemand mein Geschreibsel lesen würde. Man sieht es auch auf zoerenner.de: Ich bin kein Freund von tausend Fotos und wenig Worten. Ich schreibe viel. Meine Artikel sind lang. Und das ist im schnelllebigen Web 3.0 nicht jedermanns Sache.

Es gibt aber jemanden, der auf Worte steht: Google. SEO – Search Engine Optimization – ist dein bester Kumpel. Tatsächlich landete ich seinerzeit mit einem Artikel einen Hit und wurde innerhalb kürzester Zeit hundertfach und schließlich tausendfach geteilt. Coole Sache, weil mein jungfräuliches Blogbaby so relativ fix einen Haufen Leser bekam. Mit solchen Artikeln ist es aber so: Die sorgen so und so lange für einen immensen Ansturm… Und dann flaut die Kurve ab. Wenn dein nächster Hit nicht gerade in den Startlöchern steht, ist das glücklicherweise kein Beinbruch, solange du irgendeine Form von brauchbarem Content produzierst. Und mit brauchbar meine ich: Menschen suchen danach.

Die Artikel, die durch das darin vermittelte Basiswissen so sehr Standard waren, dass sie in sozialen Netzwerken kaum geteilt wurden, fingen nach einer Weile an, mir einen konstanten Strom an Besuchern über Google zu bescheren. Und das tun sie heute noch. Auch die alten Kamellen von 2016: Der Inhalt ist nämlich immer noch relevant. Bis heute suchen Menschen nach genau diesen Informationen. Bei der Veröffentlichung hatte ich noch das Gefühl, das würde nie jemand lesen – aber: Doch. Es braucht eben Zeit.

Durch das Bloggen lernst du, dass Erfolge sich nicht immer Sekundenschnelle einstellen. Du musst dran bleiben. Du musst konstant etwas liefern, um belohnt zu werden. Das bedeutet auch, dass du dich aufraffen musst, an deinem Blog zu arbeiten, obwohl der Rum erst Wochen oder Monate später winken könnte. Du lernst, dich selbst langfristig zu motivieren. Und diese Fähigkeit brauchst du nicht nur beim Bloggen. (Erzähl mir nicht, du würdest nicht auch nach einer Woche regelmäßigem Sport deinen Körper nach ersten Resultaten absuchen! Na? Eben.)

2. Du lernst dazu.

Affe in Denkerpose
»Und wenn ich den Loop nach da verschiebe…«

Bloggen hält dich geistig fit. Frei nach dem Motto »irgendwas ist immer«: Du bist regelrecht gezwungen, ständig dazuzulernen. Sei es, weil du dich über das Thema weiterbildest, über das du bloggst, um deinen Lesern frischen Content zu bieten. Oder über dein Content Management System und entsprechende Themes und Plugins, um deine Seite technisch weiterzuentwickeln. Oder über SEO, um mehr Menschen erreichen zu können. Oder über Bildbearbeitung. Oder oder oder. (Zuletzt unter Bloggern großes Thema: Die DSGVO. Jep, auch so etwas kommt auf dich zu.) Es gibt unendlich viel, das du noch nicht weißt, was du aber bald wissen könntest. Dein Blog gibt dir den nötigen Antrieb, dich reinzufuchsen.

Dazu kommt, dass wir Blogger uns untereinander vernetzen. Uns austauschen. Mit Lesern kommunizieren. Und auch dabei ständig neue Informationen aufschnappen.

Es gibt übrigens einen Haufen Wissenschaftler, die sich mit der Wirkung von stetigem Lernen bis ins hohe Alter auf unser Wohlbefinden beschäftigen. Und siehe da: Wer auch nach der Schule noch lernt, ist tendenziell zufriedener im Leben! (Coole Info am Rande: Der Rahmen des Lernens ist extrem wichtig. Informelle, zwanglose Lern-Kontexte tun uns gut. Dröge Schulatmosphäre dagegen? Keine positive Wirkung! 1 Sag das deinem (nicht-)Lieblingslehrer, wenn du ihn das nächste Mal siehst.)

3. Du triffst neue Menschen.

Wer dich lesen will, teilt offensichtlich deine Interessen. Egal ob Bloggerkollege oder Leser, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr menschlich harmoniert, ist größer als wenn du den nächstbesten Artgenossen auf der Straße ansprichst. Das heißt, dass dein Blog dir zu etlichen neuen netten Bekanntschaften (und Freundschaften) verhelfen kann. Du wirst Teil eines Netzwerks. Du gehörst dazu. Kommentare, E-Mails und Social Media sind oft nur der Anfang: Die Bloggosphäre ist glücklicherweise nicht ganz der dunkle, unheimliche Ort, den deine Großmutter in ihm vermutet. Blogger sind nicht mehr anonym – und das nicht erst seit der DSGVO. Whatsapp- und Skype-Gespräche sowie Treffen im Real Life unter »Internetbekanntschaften« sind heute eher die Regel als die Ausnahme.

4. Du hilfst anderen.

Die Art dieser Hilfe hängt davon ab, was du schreibst. Doch unabhängig davon, ob du nun Geschichten, Rezepte, Produktvorstellungen oder Ratgebertexte bloggst: Wer deinen Blog besucht, bekommt durch dein Geschriebenes irgendeine Form von Mehrwert. Das können handfeste Tipps und Lösungsvorschläge zu einem Problem sein. Oder aber du hilfst jemandem weiter, indem du ihn inspirierst oder unterhältst. Das mag sich wie eine Kleinigkeit anhören – doch spätestens bei deiner ersten Mail von einem Leser, der sich für einen Artikel bedankt, merkst du, dass du mit deinen Worten für andere einen kleinen aber feinen Unterschied machen kannst.

Das Gefühl, jemandem zu helfen, ist übrigens ein noch größerer Push für unser Wohlbefinden als wenn uns selbst geholfen wird! 2

5. Du gewinnst neue Perspektiven – und Geld.

Bloggen wird gern als die Online-Einnahmequelle gehandelt. Nicht ganz unwahr: Du kannst Geld durch das Bloggen verdienen. Absolut. Aber: Du darfst nicht mit falschen Erwartungen rangehen. Erinnerst du dich an die Sache mit der Disziplin und der Langzeitmotivation? Nur weil du einen Blog startest, bis du nächsten Mittwoch noch kein Millionär.

Wenn ich allerdings etwas durch das Bloggen (und das Schreiben generell) gelernt habe, dann, dass das, was ich tue, einen Wert hat. Ich investiere Arbeit in meine Projekte. Und es ist nur fair, wenn man für Arbeit einen gewissen Lohn bekommt.

Versteh mich nicht falsch: Ich bin absolut kein Fan von Blog-Prostitution. Ich steh nicht drauf, wenn Menschen sich und ihre Reichweite für Gratisproben verkaufen oder kopflos Affilate-Links für Flachbildfernseher auf ihrem Gartenblog verteilen, in der Hoffnung, darüber doch noch ein paar Euro zu verdienen.

Aber: Blogs werden immer professioneller. Die Zeitaufwand für einen Artikel allein ist bereits enorm: Für Planung, Verschriftlichung, Editing und Bebilderung gehen etliche Stunden drauf. Den klassischen Ratgebern zufolge sollst du im Anschluss ebenso viel Zeit in die Verbreitung und das Marketing deines Werks investieren. Es gibt verdammt viele Blogger – aber nur ein winziger Bruchteil davon betreibt seinen Blog hauptberuflich zum Verdienen seiner Brötchen. Die meisten arbeiten Vollzeit und hauen für ihr Onlineprojekt ihre Freizeit auf den Kopf. Das darf ruhig ein bisschen gewürdigt werden. Wir dürfen für uns und den Wert unserer Arbeit einstehen. Online und offline.

Und ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass deine Leser dich gern unterstützen, wenn sie dein Geschriebenes mögen. Deswegen spricht überhaupt nichts dagegen, deinen Blog als eigenes kleines Business zu betrachten.

6. Du bekommst neue Impulse.

Ich war immer kreativ – aber seit ich das Bloggen fest in meinen Alltag integriert habe, schäume ich regelrecht über vor Ideen. Ich kann nicht einmal mehr staubsaugen ohne Notizbuch in greifbarer Nähe. In gewisser Hinsicht lebe ich bewusster: Der kreative Prozess, den du durch das Entwickeln und Verwirklichen von Artikelideen sowie Management und Vermarktung deines Blogs ständig wiederholst, schärft deine Wahrnehmung. Die kleinen Details des Alltags stechen dir viel mehr ins Auge. Du analysierst mehr. Nichtigkeiten, die dir früher nicht aufgefallen wären, triggern plötzlich Ideen für neue Projekte. Dein Zeitmanagement und deine Prioritäten verändern sich. Ebenso deine Einstellung und Denkweise.

Ich denke heute beispielsweise lösungsorientierter. Dadurch, dass ich mir für den Blog ständig die Frage stelle, mit welchen Problemen sich meine Zielgruppe konfrontiert sieht, identifiziere ich Stolpersteine im Alltag schneller als solche und arbeite konkrete Lösungen aus. Meine Projekte helfen mir zudem enorm dabei, meine übergeneralisierende Schwarzmalerei zu vertreiben. Und sie halten mich konstant beschäftigt. Langeweile ist ein absolutes Fremdwort für mich.   

7. Du entwickelst mehr Selbstbewusstsein.

Hundeschnauze
Hallo Welt!

Bist du am Anfang noch jedes Mal dem Herzinfarkt nahe, wenn du auf »Veröffentlichen« klickst, so gewöhnst du dich im Verlauf mehr und mehr daran, gelesen und gehört zu werden. Als Blogger setzt du dich auf einen Präsentierteller. Andere sehen dich. Andere urteilen über das, was du schreibst. Sie urteilen über dich. Und das ist okay. Nicht jeder, der deinen Blog besucht, wird in Begeisterungsstürme ausbrechen. Irgendwer findet dich immer doof. Dadurch jedoch, dass da auch immer wieder Menschen sind, denen du durch deine Artikel irgendetwas gibst, lernst du, dass deine Ansichten wichtig sind und etwas bewirken können.

Summa summarum – und du? Bloggst du schon?!

  • Bloggen ist Arbeit und fördert deine Disziplin.
  • Du lernst endlos viele Dinge aus völlig unterschiedlichen Bereichen dazu – und das ständig.
  • Da kommen etliche neue Menschen in dein Leben.
  • Du gibst etwas zurück.
  • Und: Du bekommst etwas dafür.
  • Deine Kreativität schäumt über.
  • Dein Selbstbewusstsein wächst.

Es ist ganz sicher nicht so als hätte das Bloggen keine Downsides. Aber die Vorteile für dich als Person sind mindestens einen Testlauf wert, findest du nicht?


*: Bei so gekennzeichneten Links handelt es sich um Affilate-Links.

Quellen

  1. Jenkins, A., & Mostafa, T. (2015). The effects of learning on wellbeing for older adults in England. Ageing & Society, 35(10), 2053-2070.
  2. Schwartz, C., Meisenhelder, J. B., Ma, Y., & Reed, G. (2003). Altruistic social interest behaviors are associated with better mental health. Psychosomatic Medicine, 65(5), 778-785.

3 Kommentare zu “Warum bloggen? 7 gute Gründe für einen Blog”

  1. Toll geschrieben!
    Die bewusstere Wahrnehmung im Alltag ist mir auch schon positiv aufgefallen. Und wenn ich die Dinge durch die “Blogbrille“ betrachte, sieht vieles gleich viel weniger bedrohlich, überfordernd oder unrealistisch aus.
    Liebe Grüße,
    Jana

    1. Danke dir! Stimmt, in gewisser Hinsicht macht das Bloggen auch zuversichtlicher. Der analysierende Blick auf die Dinge verhindert wohl, dass man sich in die negativen Seiten reinsteigert!

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