Biss!

Kurzversion: Sei ein Hund. Hab Biss!

»Ach, lass mal. Kann ich eh nicht« ist einer dieser Sprüche, die einem viel zu schnell über die Lippen gehen – für die man aber jedes einzelne Mal umgehend eins auf die Schnauze kriegen sollte. Insbesondere dann, wenn das, was man eh nicht kann, etwas ist, das man eigentlich verdammt gern tun würde.

Es ist nicht nur, dass wir unser Leben gern in der Warteschleife parken. Wir leiden auch unter allgemeiner Mutlosigkeit.

Wir grübeln konstant, was alles schief gehen wird. Und dann tun wir lieber gar nichts.

Um uns dann zu wundern, warum genau wir eigentlich so verdammt unglücklich sind.

Wir brauchen Bälle! (Oder waren’s Eier?)

Lifegoal
Ball. Alias: #Lifegoal!

Bei Hunden existiert das Phänomen des »Balljunkys«: Diese Tierchen denken den lieben langen Tag nur an das eine. Den Ball. Den lieblichen, wunderbaren, durch und durch göttlichen Ball.

Im Kern eine traurige Geschichte… Und trotzdem können wir Menschen davon einiges lernen.

Während Zweibeiner absolute Kopftiere sind, sind unsere pelzigen Mitbewohner dieses Planeten gemeinhin Macher.

Wir Menschen malen uns die coolsten Dinge aus – bleiben dabei aber ganz dezent auf dem Hintern sitzen. Unsere Gehirne leuchten vor lauter Wunschvorstellungen und Tagträumen wie Weihnachtsdeko. Die Zahl kontrahierender Muskeln in unseren Körpern geht dafür gegen Null. Mit Glück reicht’s für die nötige Rumpfspannung zum Sitzen. Damit wir bequem bei Facebook lustige Katzenvideos anschauen können, anstatt gottverdammt nochmal endlich aktiv zu werden.

Der gemeine Balljunky dagegen? Der malt sich wahrscheinlich auch lange im Voraus aus, was er mit seinem Objekt der Begierde anstellen wird. Aber in erster Linie tut er alles, um das himmlische Rund zwischen die Zähne zu kriegen. Der öffnet Schubladen, klettert auf Schränke und reißt dir notfalls auch das gesamte Regal von der Wand. Der springt so lange vor dir auf und ab, bis er sein Ziel erreicht. Und gewöhnlich tut er das. Weil er halt weiß, wie er’s anstellen muss.

Ballyjunky, hm? Was kann ich davon mitnehmen?

Kein Ball
Kein Ball. Wir arbeiten dran.

Punkt 1: Finde deinen Ball. (Im übertragenen Sinn. Es sei denn, du willst Fußballprofi werden.)

Leider sind wir minimal komplexer gestrickt als Hunde – wir sehnen uns nach etwas mehr als einer quietschenden Gummikugel im Mund. Wir mögen’s eher abstrakt.

Wir wollen einen Bestseller schreiben. Fit und gesund sein. Die Welt bereisen. Den passenden Deckel zu unserem Topf finden. Selbstbestimmt leben. Respektiert werden. Anderen helfen. Glücklich sein.

Check deine Prioritäten. Guck, was dir auf der Seele brennt. Was immer du erreichen willst: Es muss dir wichtig sein. Wie der Ball dem Hund.

Punkt 2: Spar dir den Pessimismus.

Was immer dein Ziel ist: Untersteh dich, dir einzureden, dass du’s eh nicht schaffen kannst. Hunde verschwenden auch keinen Gedanken daran, ob sie auf den verdammten Schrank kommen – sie versuchen’s einfach. Und wenn’s schief geht? Dann isses so. Dann versucht man’s nochmal. Nur anders.

Der Gedankengang, dass Pessimismus einen vor schlimmen Enttäuschungen bewahrt, ist Quatsch. Pessimistische Menschen leben nicht besser, indem sie das Schlimmste erwarten. Tatsächlich wirkt Optimismus sich positiv auf unsere Gesundheit aus1.

Optimistische Menschen stecken Fehlschläge viel besser weg – und wissen auch, dass ein Schuss in den Ofen kein Drama ist. Wer positiv an Dinge rangeht, bleibt eher dran, wenn’s schwierig wird – ohne in Depressionen abzurutschen.

Punkt 3: Stalke den Ball.

Steiger dich rein. Das geht klar! Auch wenn andere das bescheuert finden. Du hast den großen Vorteil, dass dir als erwachsenem Menschen niemand den Hundetrainer auf den Hals hetzen kann. Werd aktiv. Beiß dich fest. Ist dein Umfeld ball- und ziellos, ist das deren Problem – nicht deines.

Das Beste, was du tun kannst, ist, andere Balljunkies um dich zu scharen. Such dir Gleichgesinnte. Und schmeiß Menschen, die dich runterziehen, möglichst aus deinem Leben.

Tischkante
Sonst kriegst du keinen Ball, sondern nur die Tischkante. Wie so viele andere.

Ist dir alles zu doggy?

Kann ich verstehen. Ich hab das Informatikstudium seinerzeit geschmissen, weil das abstrakte Gelaber mich irre gemacht hat.

Werden wir mal konkret: Zoë Renner ist einer meiner Bälle.

Das Schreiben und ich, wir kennen uns schon eine Weile. Man findet mich online hier und dort. Seit 2016 bin ich mit einem Katzenblog erstmals so etwas wie sesshaft geworden. Und trotzdem… Eigentlich wollte ich immer das hier machen. Von Menschen (und dem Menscheln) schreiben. Für Menschen.

Vorzugsweise die, die träumen und wünschen und wollen und einfach noch keinen Ansatzpunkt gefunden haben, um loszulegen.

Ich kenne das ganz gut. Den Ball identifiziert habe ich vor drei Jahren schon. Ich hab mich nur nie getraut, vor den Schrank zu springen. Weil… Keine Zeit. Das auch noch? Zwei Blogs? Und die anderen Projekte? Mal ganz nebenbei, so positiv bist du ja nicht. Menschen mögen das, wenn man sanft und lieb und nett ist. Du bist eher die teilzeitempathische Abrissbirne. Und unernst. Und zynisch. Kannste nicht bringen.

Das Gegenteil von dem tun, was man anderen rät, ist ja auch so ein Klassiker, oder?

Jep, ich habe wenig Zeit. Ich habe einen weiteren Blog, ich schreibe auch noch anderweitig, ich arbeite Vollzeit und ich habe ein Leben. Das hier läuft nicht nach Lehrbuch. Na und?

Ich tu nen Teufel und mach dir noch vor, wie man nicht handelt!

Also, bitte. Schmeiß mit mir die Schränke um und beiß die Gummibälle in Fetzen!

Quellen

  1. Lench, H. C. (2011). Personality and health outcomes: Making positive expectations a reality. Journal of Happiness Studies, 12(3), 493-507.

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